Jugend mitgestalten lassen: Impulse vom Fachtag „jugend.macht.kultur“

Wie können junge Menschen im Museum nicht nur angesprochen, sondern wirklich beteiligt werden?

Mit genau dieser Frage waren wir in der vergangenen Woche beim Fachtag „Was heißt hier Mit-Machen?! Partizipation + kulturelle Bildung“ in der Kreisverwaltung Bad Kreuznach unterwegs. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Projekts „jugend.macht.kultur – Kinder- & Jugendkultur mobil“ statt – einem Projekt im Bundesprogramm Aller.Land. Strukturen stärken. Gemeinsam gestalten.

Für uns war dieser Tag in mehrfacher Hinsicht besonders wertvoll: als fachlicher Impuls, als Ort des Austauschs – und als wichtige Gelegenheit, die Perspektive des Heimatmuseums in einen größeren Diskurs über kulturelle Bildung und Jugendbeteiligung einzubringen.

Ein Museum im Austausch – und mit einer besonderen Perspektive

Der Fachtag brachte engagierte Akteur*innen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen: aus der Jugendarbeit, der kulturellen Bildung, der politischen Bildung und dem sozialen Bereich. Genau diese Vielfalt machte den Tag so spannend. Denn wo unterschiedliche Erfahrungen, Arbeitsweisen und Zielgruppen aufeinandertreffen, entstehen oft die besten Ideen.

Für uns war dabei besonders bemerkenswert, dass wir als einziges Museum vor Ort eine Perspektive vertreten konnten, die in solchen Kontexten noch viel stärker mitgedacht werden sollte: die des Museums als lebendigen, offenen und gestaltbaren Kulturort.

Museen werden häufig noch immer vor allem als Orte des Sammelns, Bewahrens und Vermittelns wahrgenommen. Das sind sie selbstverständlich auch. Gleichzeitig steckt in ihnen jedoch ein enormes Potenzial als Räume der Begegnung, der Identifikation und der aktiven Mitgestaltung – gerade für junge Menschen.

Warum Jugendbeteiligung für uns ein Zukunftsthema ist

Die Frage, wie junge Menschen für die Themen des Museums begeistert werden können, beschäftigt uns schon länger – und sie gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Denn es geht nicht nur darum, Angebote für Jugendliche zu entwickeln.
Es geht vielmehr darum, das Museum gemeinsam mit jungen Menschen weiterzudenken.

Welche Themen berühren sie?
Welche Formen des Erzählens und Vermittelns sprechen sie an?
Welche Beteiligungsformate sind wirklich offen, ehrlich und wirksam?
Und wie kann ein Heimatmuseum ein Ort sein, der nicht nur Geschichte vermittelt, sondern auch Zukunft mitgestaltet?

Für uns ist klar: Wenn Museen auch künftig relevante Orte sein wollen, dann müssen sie junge Menschen nicht nur im Publikum mitdenken, sondern als aktive Mitgestalter*innen.

Gerade ein Heimatmuseum kann dabei besondere Zugänge eröffnen. Es verbindet lokale Geschichte mit Identität, Erinnerungskultur mit Gegenwartsfragen, und es schafft Anknüpfungspunkte für Themen, die junge Menschen unmittelbar betreffen: Herkunft, Zugehörigkeit, Wandel, gesellschaftliche Verantwortung und die Frage, wie wir gemeinsam Zukunft gestalten wollen.

Fachlicher Input aus Wissenschaft und Praxis

Unter dem Titel „Was heißt hier Mit-Machen?! Partizipation + kulturelle Bildung. Begriffsbestimmungen, Strategien, Methoden in der Jugendarbeit“ bot der Fachtag eine fundierte Auseinandersetzung mit einem Thema, das aktueller kaum sein könnte.

Mit Prof. Dr. Silke Ballath (Universität Koblenz) und Dr. Anna Grebe waren zwei ausgewiesene Expertinnen eingeladen, die das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchteten. Ihre Impulse machten deutlich, dass Partizipation weit mehr ist als eine Methode oder ein Schlagwort. Sie ist eine Haltung. Und sie stellt Anforderungen – an Strukturen, an Prozesse, an Sprache, an Machtverhältnisse und an die Bereitschaft, Gestaltungsspielräume tatsächlich zu öffnen.

Gerade diese Verbindung aus theoretischer Fundierung und praktischer Perspektive war für uns besonders wertvoll. Denn sie macht deutlich: Jugendbeteiligung gelingt nicht durch gute Absichten allein, sondern durch kluge Formate, verlässliche Beziehungen und die Bereitschaft, Perspektiven ernsthaft einzubeziehen.

Ein starkes Netzwerk mit großem Potenzial

Ein wichtiger Bestandteil des Tages war auch die Vorstellung der beteiligten Netzwerkpartner*innen im Projekt „jugend.macht.kultur – Kinder- & Jugendkultur mobil“. Mit dabei waren:

  • die Kunstwerkstatt Bad Kreuznach e. V.

  • der Bund Deutscher PfadfinderInnen (BDP), Landesverband Rheinland-Pfalz

  • die Alternative Jugend Kultur e. V.

  • die Evangelische Jugend an Nahe und Glan

  • die IB Südwest gGmbH für Bildung und soziale Dienste

Diese Vielfalt macht deutlich, wie viel Potenzial in diesem Projekt liegt. Unterschiedliche Perspektiven, Kompetenzen und Erfahrungsräume kommen zusammen – und genau darin liegt die Stärke: in der Möglichkeit, voneinander zu lernen, Synergien zu nutzen und gemeinsam neue Formen kultureller Teilhabe zu entwickeln.

Für uns war der Austausch mit diesen Partnerinnen besonders inspirierend. Er hat gezeigt, wie wichtig es ist, kulturelle Einrichtungen, Jugendarbeit und zivilgesellschaftliche Akteurinnen stärker miteinander zu vernetzen – gerade dann, wenn junge Menschen aktiv beteiligt werden sollen.

Das Heimatmuseum als Ort der Begegnung, Beteiligung und Zukunft

Die Gespräche und Impulse des Tages haben uns in einem Gedanken besonders bestärkt:
Ein Museum ist dann wirklich lebendig, wenn es nicht nur über Vergangenheit spricht, sondern Menschen in der Gegenwart erreicht – und ihnen ermöglicht, Zukunft mitzugestalten.

Das Heimatmuseum Bad Sobernheim versteht sich deshalb nicht nur als Ort der Sammlung und der historischen Vermittlung. Es ist zugleich ein Ort, an dem Fragen gestellt werden dürfen, Perspektiven sichtbar werden können und neue Formen der kulturellen Teilhabe ausprobiert werden sollen.

Jugendbeteiligung bedeutet für uns nicht, junge Menschen punktuell „mitzunehmen“.
Sie bedeutet, das Museum als Raum zu begreifen, in dem ihre Stimmen, Ideen und Interessen willkommen sind – und ernst genommen werden.

Gerade darin sehen wir eine zentrale Zukunftsaufgabe.

Was wir aus dem Fachtag mitnehmen

Der Fachtag „jugend.macht.kultur“ war für uns weit mehr als eine Fachveranstaltung. Er war ein wichtiger Impulsgeber für unsere weitere Arbeit.

Wir nehmen aus diesem Tag mit:

  • neue Perspektiven auf Partizipation in der kulturellen Bildung

  • konkrete Denkanstöße für jugendgerechte Formate im Museum

  • spannende Kontakte zu möglichen Kooperationspartner*innen

  • die Bestärkung, dass Jugendbeteiligung auch für Museen ein zentrales Zukunftsthema ist

  • und die Motivation, das Heimatmuseum als offenen, lebendigen und zukunftsorientierten Ort weiterzuentwickeln

Für uns steht fest:
Ein Museum der Zukunft ist kein Ort, an dem junge Menschen nur zu Gast sind – sondern ein Ort, den sie mitgestalten können.

Wir freuen uns darauf, diesen Weg weiterzugehen.

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