Auf den Spuren Emanuel Felkes durch Bad Sobernheim

Besondere Stadtführung zum 100. Todestag des Lehmpastors

Schlechtes Wetter konnte die Gäste nicht davon abhalten, sich auf eine besondere Reise in die Vergangenheit zu begeben: Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen am Sonntag zusammen, um bei einer eigens entwickelten szenischen Stadtführung den Spuren Emanuel Felkes durch Bad Sobernheim zu folgen.

Im Mittelpunkt standen zwei Figuren aus der Blütezeit des Felke-Kurbetriebs: Jakob Gertenheyer, dargestellt von Hermann Zauner, und eine historische Kurdame, verkörpert von Erika Müller. Gemeinsam führten sie die Gruppe durch die Stadt und machten anschaulich erlebbar, wie die Menschen einst nach Sobernheim kamen, was sie sich von einer Behandlung beim „Lehmpastor“ erhofften und wie ein Kurtag nach Felkes Vorstellungen ausgesehen haben könnte. Historische Erläuterungen verbanden die Spielszenen mit der Stadtgeschichte und dem Leben Emanuel Felkes.

Mit dem Bollerwagen durch die Felke-Stadt

Ausgangspunkt der Geschichte war die Ankunft einer Kurdame, die sich mit Beschwerden und großen Hoffnungen auf den Weg zu Emanuel Felke gemacht hatte. Am Bahnhof wurde sie von Jakob Gertenheyer mit seinem Bollerwagen in Empfang genommen.

Gertenheyer holte tatsächlich Kurgäste und deren Gepäck am Bahnhof ab, brachte sie zu ihren Unterkünften und vermittelte offenbar auch Quartiere. Ursprünglich war er Metzger. Da er diesen Beruf infolge der Wirren des Ersten Weltkriegs nicht mehr ausüben konnte, erschloss er sich mit dem Transport der Kurgäste eine neue Einnahmequelle. So wurde er – in heutiger Sprache – zu einer Art erstem „Taxiunternehmer“ der Felke-Stadt.

Seine Geschichte zeigt, wie stark der wachsende Kurbetrieb das Leben in Sobernheim veränderte. Mit den Gästen entstanden neue Aufgaben und Dienstleistungen: Sie benötigten Unterkünfte, Verpflegung, Transportmöglichkeiten, Kleidung, Kurutensilien und natürlich auch Unterhaltung.

Licht, Luft, Wasser und Erde

Im Marum-Park rückten die Grundlagen der Felke-Kur in den Mittelpunkt. Die Kurdame berichtete von ihren Beschwerden und ihren Erwartungen an die Behandlung. Felkes Gesundheitslehre beruhte auf den vier Elementen Licht, Luft, Wasser und Erde. Hinzu kamen Bewegung, eine einfache Ernährung und ein geregelter Tagesablauf.

Felke betrachtete nicht nur einzelne Beschwerden, sondern die gesamte Lebensweise eines Menschen. Seine Patientinnen und Patienten sollten Gewohntes hinter sich lassen und sich auf einen Alltag einlassen, der Disziplin verlangte und mitunter wenig Komfort bot.

An der Matthiaskirche erfuhren die Gäste mehr über den ungewöhnlichen Lebensweg Emanuel Felkes. Der bekannte Naturheilkundige war eigentlich evangelischer Pfarrer. Die Not vieler Menschen und die damals begrenzten medizinischen Möglichkeiten führten ihn zunehmend zur Naturheilkunde. Aus seiner Tätigkeit als Seelsorger und Behandler entstand schließlich der Beiname, unter dem er bis heute bekannt ist: der „Lehmpastor“.

Wie Sobernheim zum Kurort wurde

Auch die Anfänge des Felke-Kurwesens in Sobernheim spielten bei der Führung eine wichtige Rolle. Andres Dhonau setzte sich bereits früh für Felkes Methode ein, schuf erste Voraussetzungen für den Kurbetrieb und bemühte sich darum, Felke persönlich nach Sobernheim zu holen. Dessen Ankunft im Jahr 1915 gab dem bereits begonnenen Kurwesen entscheidenden Auftrieb.

Mit der wachsenden Bekanntheit Felkes kamen immer mehr Gäste in die Stadt. Zeitweise standen ihnen acht größere Hotels sowie zahlreiche Pensionen, Gaststätten und Privatquartiere zur Verfügung. In der Mittleren Großstraße wurde deshalb nicht nur über Behandlungen gesprochen, sondern auch über das gesellschaftliche Leben eines aufstrebenden Kurortes.

Rund um den Synagogenplatz wurde deutlich, dass die Geschichte der Felke-Kur nicht mit einer einzelnen Person oder einem einzigen Kurhaus endete. Ehemalige Patienten und Mitarbeiter führten Felkes Ideen weiter. Die Familie Stassen eröffnete 1924 am Maasberg ein eigenes Felke-Erholungsheim. Alfons Menschel, der mehrere Jahre in Felkes Praxis mitgearbeitet hatte, gründete gemeinsam mit Johanna Menschel 1928 den Felke-Jungborn in Meddersheim. Weitere Einrichtungen wie die Löwenburg, das Damenkurhaus in der Felkestraße und das Kurhaus auf dem Gelände des heutigen Max-Willner-Heims kamen hinzu.

So entwickelte sich aus Felkes persönlichem Wirken ein ganzer Wirtschaftszweig, der die Entwicklung Sobernheims nachhaltig prägte.

Sprechstunde, Irisdiagnostik und Prozesse

An der ehemaligen Praxis beim Saarhotel erhielten die Gäste einen Eindruck davon, wie eine Sprechstunde bei Felke abgelaufen sein könnte. Besonders bekannt wurde er für seine Irisdiagnostik. Auf seine Untersuchung folgten Anweisungen zu Ernährung, Bewegung, Ruhe, Wasseranwendungen und einem geregelten Tagesrhythmus.

Felkes Methoden waren jedoch schon zu seinen Lebzeiten umstritten. Ärzte, Behörden und andere Kritiker warfen ihm vor, als medizinischer Außenseiter seine Befugnisse zu überschreiten. Nach zeitgenössischen Berichten war er in mehr als ein Dutzend Gerichtsverfahren verwickelt. Wiederholt wurde er freigesprochen. Die Prozesse machten zugleich deutlich, wie unterschiedlich Felke wahrgenommen wurde: Für seine Anhänger war er ein außergewöhnlicher Heiler, für seine Kritiker ein umstrittener Außenseiter.

Wo Felke draufstand, war Felke nicht immer drin

Am Saarplatz ging es schließlich um Felke als Marke. Mit dem Erfolg der Kur wurde sein Name zu einem Werbe- und Qualitätsversprechen. Angeboten wurden unter anderem Felke-Wasser, Felke-Bier, Felke-Wein und spezielle Zinkwannen für die kalten Sitzbäder. Hinzu kamen Kurkleidung, Heilmittel und zahlreiche weitere Produkte, die mit seinem Namen oder seiner Methode beworben wurden.

Die Kurdame durfte sich deshalb durchaus fragen, ob wirklich überall Felke drin war, wo Felke draufstand. Die Vielfalt der Produkte zeigt jedoch, dass längst eine regelrechte Felke-Bewegung entstanden war. Zu ihr gehörten Patienten und Anhänger ebenso wie Behandler, Kurhausbetreiber, Hersteller, Händler, Hotels und Gaststätten.

Abschluss im Priorhof

Am Priorhof angekommen, schloss sich der Kreis der Führung. Anhand von Requisiten wurde noch einmal deutlich, was ein typischer Kurtag bedeuten konnte: frühes Aufstehen, Luft- und Lichtbäder, Barfußgehen, Bewegung, kalte Wasseranwendungen, Lehmbäder, einfache Mahlzeiten und festgelegte Ruhezeiten.

Zum Abschluss kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Priorhof noch zu einem geselligen Beisammensein zusammen. Trotz des Regens herrschte eine fröhliche und interessierte Stimmung.

Die besondere Stadtführung wurde anlässlich des 100. Todestages Emanuel Felkes entwickelt. Sie sollte nicht nur historische Fakten vermitteln, sondern die Menschen, Geschichten und Veränderungen hinter der Entwicklung Sobernheims zur Felke-Stadt lebendig werden lassen.

Ein herzlicher Dank gilt Hermann Zauner und Erika Müller, die ihre Rollen mit viel Spielfreude und ehrenamtlichem Engagement zum Leben erweckten, sowie allen Gästen, die sich vom schlechten Wetter nicht abschrecken ließen.

Weiter
Weiter

Felke und die vier Elemente: Ein kreatives Fest mit der Kita Leinenborn